Stier

Steckbrief
| IAU-Abkürzung | Tau |
|---|---|
| Größe | Platz 17 unter den 88 Sternbildern |
| Hellster Stern | Aldebaran (Alpha Tau), Helligkeit etwa 0,85 mag, etwa 65 Lichtjahre entfernt |
| Beste Abendsaison (etwa 40° N) | Dezember bis Februar, hoch im Süden |
| Sichtbar zwischen | etwa +90° und −65° Breite |
| Bekannte Deep-Sky-Objekte | M45 Plejaden, Hyaden (Melotte 25), M1 Krebsnebel, NGC 1647 |
| Bekannte Asterismen | Das V der Hyaden; das Siebengestirn |
| Ursprung der Mythologie | Mesopotamischer Himmelsstier; griechischer Stier des Zeus |
| Benötigte Ausrüstung | Augen und Fernglas; ein kleines Teleskop für den Krebsnebel |
Kurz gesagt
- Der Stier ist leicht zu finden: Der Oriongürtel zeigt nach rechts oben direkt auf ihn.
- Der orange Aldebaran bildet das Auge des Stiers an einer Spitze eines V-förmigen Sternhaufens, der Hyaden.
- Die Plejaden, das Siebengestirn, sind der berühmteste Sternhaufen am Himmel und wirken im Fernglas am schönsten.
- Der Krebsnebel ist das Wrack eines Sterns, dessen Explosion 1054 beobachtet wurde.
- Von 40° N aus ist der Stier an Winterabenden am besten zu sehen, er geht aber schon im Spätherbst im Osten auf.
Ein Stier mit leuchtendem Auge
Der Stier ist ein Tierkreissternbild des Winterhimmels. Dargestellt ist nur die vordere Hälfte des Tieres: ein Kopf mit langen Hörnern und zwei Vorderbeinen, als würde der Stier auf den Jäger Orion losstürmen.
Der Stier gehört zu den ältesten bekannten Sternbildern. Ein Stier in dieser Gegend erscheint in mesopotamischen Aufzeichnungen, die Jahrtausende alt sind, und manche Forscher vermuten, dass die Plejaden sogar in den Höhlenmalereien von Lascaux in Frankreich zu sehen sind; diese Idee ist allerdings umstritten.
Die Sonne steht etwa von Mitte Mai bis Ende Juni vor dem Stier, daher verschwindet das Sternbild im späten Frühling in der Abenddämmerung.
So finden Sie ihn
Suchen Sie zuerst den Orion mit seinen drei Gürtelsternen in einer kurzen, geraden Reihe. Folgen Sie dem Gürtel etwa zwei Faustbreiten nach rechts oben (Westen), dann landen Sie beim orangen Stern Aldebaran.
Aldebaran sitzt am Ende eines kleinen V aus Sternen, dem Gesicht des Stiers. Verlängern Sie dieselbe Linie um etwa eine weitere Faustbreite, und Sie erreichen eine enge kleine Sterngruppe, die wie ein winziger Wagen aussieht. Das sind die Plejaden.
Die beiden langen Hörner reichen vom V nach links oben und enden bei Elnath und Zeta Tauri. Elnath bildet außerdem eine Ecke des Wintersechsecks und berührt das Sternmuster des Fuhrmanns.
Die Hauptsterne und ihre Namen
Aldebaran (Alpha Tauri) ist ein oranger Riesenstern, viel größer als die Sonne, etwa 65 Lichtjahre entfernt. Seine Helligkeit schwankt leicht um 0,85 mag. Der Name ist arabisch für „der Folgende“, weil er nach den Plejaden aufgeht und sie über den Himmel zu verfolgen scheint.
Aldebaran gehört nicht zu den Hyaden. Er steht nur davor, in weniger als der halben Entfernung. Das ist ein gutes Beispiel für Sterne, die nah beieinander wirken, es aber nicht sind.
Elnath (Beta Tauri), etwa 1,65 mag hell, markiert die Spitze des nördlichen Horns; sein Name bedeutet „der Stoßende“. Alkyone, etwa 2,9 mag hell, ist der hellste Stern der Plejaden, und viele Sterne des Haufens tragen die Namen der Sieben Schwestern und ihrer Eltern Atlas und Pleione.
Deep-Sky-Objekte für Fernglas und kleine Teleskope
Die Plejaden (M45) sind ein junger Sternhaufen in etwa 444 Lichtjahren Entfernung. Die meisten Menschen sehen mit bloßem Auge sechs oder sieben Sterne, ein Fernglas zeigt aber Dutzende blauweiße Sterne in einem Blickfeld. Langzeitbelichtungen zeigen einen bläulichen Schleier um sie; das ist eine Staubwolke, durch die der Haufen gerade zieht, und kein Überrest aus seiner Entstehung.
Die Hyaden, etwa 150 Lichtjahre entfernt, sind der erdnächste Sternhaufen ihrer Art. Sie sind für die meisten Teleskope zu groß, daher sind Fernglas oder bloßes Auge die besten Werkzeuge. Ihre Sterne sind viel älter als die der Plejaden.
Der Krebsnebel (M1) liegt knapp oberhalb von Zeta Tauri, der südlichen Hornspitze. Er ist der Überrest eines Sterns, dessen Explosion chinesische Astronomen 1054 verzeichneten; sie war wochenlang sogar am Tag sichtbar. In einem kleinen Teleskop ist er ein schwacher ovaler Schimmer, etwa 6.500 Lichtjahre entfernt, mit einem schnell rotierenden Neutronenstern im Zentrum.
NGC 1647, ein lockerer offener Sternhaufen nordöstlich von Aldebaran, ist nach den Plejaden ein leichtes zweites Ziel für das Fernglas.
Mythologie
Im altmesopotamischen Gilgamesch-Epos schicken die Götter den Himmelsstier, um den Helden zu bestrafen, und viele Autoren verbinden diesen Stier mit dem Sternbild.
In der griechischen Sage verwandelte sich Zeus in einen schönen weißen Stier, um die phönizische Prinzessin Europa zu gewinnen. Als sie auf seinen Rücken stieg, schwamm er mit ihr über das Meer nach Kreta. Der Kontinent Europa trägt ihren Namen.
Zu den Plejaden gibt es Geschichten in fast jeder Kultur. Die Griechen sahen sieben Schwestern, die von Orion verfolgt werden. Auf Türkisch heißt der Haufen Ülker, und in vielen bäuerlichen Kalendern markierte sein erster Aufgang in der Morgendämmerung Zeiten für die Feldarbeit. Das Sternbild selbst heißt auf Türkisch Boğa.
Praktische Beobachtungstipps
Von Ende November bis Februar steht der Stier abends hoch im Süden. Beginnen Sie mit Aldebaran und dem V und gehen Sie dann mit dem Fernglas bei geringer Vergrößerung zu den Plejaden; das weite Gesichtsfeld zeigt den Haufen am besten.
Probieren Sie einen einfachen Sehtest: Zählen Sie in einer dunklen Nacht die Plejadensterne ohne optische Hilfe. Stadtbeobachter sehen vielleicht vier oder fünf, erfahrene Beobachter unter sehr dunklem Himmel berichten von mehr als zehn.
Der Mond zieht jeden Monat durch den Stier und bedeckt manchmal Aldebaran oder die Plejaden. Zu sehen, wie ein heller Stern im kleinen Teleskop hinter dem Mondrand verschwindet, ist ein unvergesslicher Anblick; Astronomie-Apps nennen die Termine.