Polarlichter: Nord- und Südlicht

Steckbrief
| Ursache | geladene Teilchen von der Sonne, die auf die obere Atmosphäre treffen |
|---|---|
| Typische Höhe | etwa 100 bis 300 km |
| Grünes Leuchten | Sauerstoff, in etwa 100 bis 240 km Höhe |
| Rotes Leuchten | Sauerstoff, oberhalb von etwa 240 km |
| Violette und blaue Ränder | Stickstoff, weiter unten |
| Aktivitätsskala | Kp-Index, 0 (ruhig) bis 9 (extremer Sturm) |
| Beste Regionen | etwa 65° bis 70° magnetische Breite, im Norden und im Süden |
| Jüngster Rekordsturm | 10. bis 11. Mai 2024, der stärkste seit 2003 |
Kurz gesagt
- Polarlichter entstehen, wenn Teilchen von der Sonne, gelenkt vom Erdmagnetfeld, mit Gas hoch in der Atmosphäre zusammenstoßen.
- Sauerstoff leuchtet grün oder rot; Stickstoff fügt violette, blaue und rosa Ränder hinzu.
- Der Kp-Index misst die geomagnetische Aktivität; höhere Werte schieben die Polarlichter Richtung Äquator.
- Dunkle, klare Nächte fern vom Stadtlicht in den Stunden um Mitternacht bieten die besten Chancen.
- Im Mai 2024 brachte ein schwerer Sturm Polarlichter bis an den Himmel der Türkei.
Was ein Polarlicht ist
Ein Polarlicht ist ein natürliches Lichtschauspiel in der oberen Atmosphäre. Im Norden heißt es Aurora borealis oder Nordlicht, im Süden Aurora australis oder Südlicht. Beide treten gleichzeitig auf, als Spiegelbilder um die beiden magnetischen Pole.
Polarlichter können wie ein ruhiger Bogen aussehen, wie wallende Vorhänge, helle Strahlen oder eine Krone über dem Kopf. Sie wandern und pulsieren, manchmal langsam über Minuten, bei starker Aktivität manchmal innerhalb von Sekunden.
Von der Sonne an unseren Himmel
Die Sonne bläst ständig einen dünnen Strom geladener Teilchen ab, den Sonnenwind, der mit etwa 1,6 Millionen km/h unterwegs ist. Manchmal schleudert die Sonne zudem eine riesige Plasmawolke aus, einen koronalen Massenauswurf, kurz CME, der die Erde in ein bis drei Tagen erreichen kann.
Die Erde ist von einer magnetischen Blase umgeben, der Magnetosphäre. Sie lenkt den Großteil des Sonnenwinds ab, doch wenn sich das Magnetfeld der Sonne mit dem der Erde verbindet, strömen Energie und Teilchen herein. Sie werden entlang der Feldlinien zu den Polarregionen geleitet und prallen in etwa 100 bis 300 km Höhe auf die obere Atmosphäre.
Die Zusammenstöße übertragen Energie auf Atome und Moleküle von Sauerstoff und Stickstoff. Wenn diese wieder zur Ruhe kommen, geben sie die Energie als Licht ab, ganz ähnlich wie das Gas in einer Neonröhre.
Warum die Farben verschieden sind
Die häufigste Farbe ist ein blasses Grün, erzeugt von Sauerstoffatomen in etwa 100 bis 240 km Höhe. Weiter oben, wo die Luft extrem dünn ist, gibt Sauerstoff ein tiefrotes Licht ab. Bei großen Stürmen sieht man aus großer Entfernung oft gerade die roten Polarlichter, weil sie so hoch liegen, dass sie über den Horizont lugen.
Stickstoff erzeugt blaues und violettes Licht, meist am unteren Rand eines Vorhangs. Mischen sich die Farben, sieht man auch Rosa, Gelb oder Weiß. Kameras halten Farben oft kräftiger fest als das Auge, das im Dunkeln weniger farbempfindlich ist.
Den Kp-Index lesen
Weltraumwetter-Vorhersager fassen die geomagnetische Aktivität mit dem Kp-Index auf einer Skala von 0 bis 9 zusammen. Kp 0 bis 2 ist ruhig, und Polarlichter bleiben nahe den Polen. Kp 5 markiert einen geomagnetischen Sturm, und jede höhere Stufe schiebt das Polarlicht weiter Richtung Äquator.
Das NOAA Space Weather Prediction Center nutzt außerdem eine G-Skala von G1 (schwach) bis G5 (extrem). Ein Kp von 9 entspricht einem G5-Sturm, der nur wenige Male pro 11-jährigem Sonnenzyklus vorkommt. Um das Sonnenmaximum ist die Aktivität meist höher; der aktuelle Zyklus erreichte seinen Höhepunkt um 2024 bis 2025, und starke Stürme bleiben, Stand 2026, noch einige Jahre recht wahrscheinlich.
Der Sturm vom Mai 2024
Am 10. und 11. Mai 2024 trafen mehrere CMEs aus einer sehr aktiven Sonnenfleckengruppe die Erde und lösten den ersten G5-Sturm seit Oktober 2003 aus. Polarlichter wurden in ganz Europa, im Süden der USA, in Nordindien und in Teilen Afrikas und Südamerikas fotografiert.
Viele Menschen in der Türkei sahen oder fotografierten rotes und rosa Leuchten tief am Nordhimmel, etwas sehr Seltenes bei etwa 36° bis 42° nördlicher Breite. Handykameras halfen, weil ihre Langzeitbelichtungen schwache Farben einfingen, die das Auge kaum wahrnahm. Solche Stürme sind die Ausnahme, erwarten Sie sie also nicht jedes Jahr.
Wo und wann man Nordlichter sieht
Die zuverlässigsten Orte für Nordlichter liegen knapp unter dem Polarlichtoval: Nordnorwegen (Tromsø und die Lofoten), Schwedisch- und Finnisch-Lappland, Island, Nordkanada (Yukon und die Nordwest-Territorien) und Alaska. In einer klaren, dunklen Nacht bringt dort selbst ein ruhiger Kp von 2 bis 3 oft ein Schauspiel.
Die Saison reicht etwa von Ende September bis Ende März. Im Sommer wird der Himmel in diesen Breiten nie richtig dunkel, sodass jedes Polarlicht in der Dämmerung untergeht. Um die Tagundnachtgleichen im September und März steigt die Aktivität tendenziell etwas an.
Die besten Stunden liegen meist etwa zwischen 21 und 2 Uhr Ortszeit, oft mit einem Höhepunkt um die örtliche Mitternacht. Entfernen Sie sich vom Licht der Orte, wählen Sie einen Platz mit freiem Blick nach Norden und geben Sie Ihren Augen etwa 20 Minuten zur Anpassung, ohne auf den Handybildschirm zu schauen. Prüfen Sie die Wolkenvorhersage genauso gründlich wie die Polarlichtvorhersage: Wolken verdecken selbst den stärksten Sturm.
Auf der Südhalbkugel heißt dasselbe Leuchten Südlicht oder Aurora australis. Tasmanien, die Südinsel Neuseelands und die Antarktis sind die bekanntesten Orte, um es zu beobachten.
Aus mittleren Breiten wie der Türkei, Südeuropa oder dem Süden der USA sind Polarlichter selten: Nur starke Stürme ab etwa Kp 8 oder 9 wie der im Mai 2024 können ein rötliches Leuchten tief im Norden zeigen. Verfolgen Sie die Polarlichtvorhersage der NOAA und die Kp-Prognosen und richten Sie eine Benachrichtigung ein. Kommt sie, fahren Sie zu einem dunklen Ort mit freiem Nordhorizont. Für Fotos nehmen Sie ein Stativ, ein Weitwinkelobjektiv und Belichtungszeiten von einigen Sekunden bis etwa 15 Sekunden oder den Nachtmodus Ihres Handys; die Kamera fängt Farben ein, die Ihren Augen entgehen können.