Merkur

Steckbrief
| Mittlere Entfernung zur Sonne | etwa 57,9 Millionen km (0,39 AE) |
|---|---|
| Durchmesser | etwa 4.879 km |
| Masse | etwa 0,055 × Erde |
| Tageslänge (eine Umdrehung) | etwa 58,6 Erdtage |
| Von Sonnenaufgang zu Sonnenaufgang | etwa 176 Erdtage |
| Länge eines Jahres | etwa 88 Erdtage |
| Monde | 0 |
| Schwerkraft an der Oberfläche | etwa 0,38 × Erde |
| Oberflächentemperatur | etwa −180 °C nachts bis 430 °C am Tag |
Kurz gesagt
- Merkur ist der kleinste Planet und derjenige, der der Sonne am nächsten ist.
- Er hat fast keine Luft, deshalb schwankt seine Oberfläche zwischen etwa 430 °C am Tag und etwa −180 °C in der Nacht.
- Sein Metallkern füllt den größten Teil des Planeteninneren aus, weit mehr als bei der Erde.
- Von einem Sonnenaufgang zum nächsten vergehen etwa 176 Erdtage, also zwei volle Merkurjahre.
- Man kann ihn mit bloßem Auge sehen, tief in der Dämmerung, einige Wochen im Jahr.
Wie Merkur beschaffen ist
Merkur ist eine kleine Gesteinswelt, nur wenig größer als unser Mond. Er umkreist die Sonne schneller als jeder andere Planet und verdankt daher seinen Namen dem flinken römischen Götterboten.
Aus der Nähe sieht er dem Mond sehr ähnlich: grau, staubig und mit Kratern übersät. Es gibt keine Ozeane, keine Wolken und keine Monde. Wer auf der Erde 100 kg wiegt, würde dort nur etwa 38 kg wiegen.
Oberfläche und eine sehr dünne „Luft“
Merkur hat keine echte Atmosphäre. Stattdessen besitzt er eine Exosphäre, eine spärliche Wolke aus Atomen wie Natrium, Kalium und Sauerstoff, die vom Sonnenlicht und vom Sonnenwind (dem Strom geladener Teilchen, der von der Sonne ausgeht) aus der Oberfläche geschlagen werden. Sie ist viel zu dünn, um Wärme zu speichern oder um darin zu atmen.
Ohne schützende Lufthülle entweicht die Wärme, sobald die Sonne untergeht. Deshalb ist Merkur nicht der heißeste Planet, obwohl er der Sonne am nächsten steht. Der Boden kann sich am Tag auf etwa 430 °C erhitzen, heiß genug, um Blei zu schmelzen, während die Nachtseite auf etwa −180 °C abkühlt.
Die Oberfläche bewahrt Milliarden Jahre an Einschlägen. Die größte Narbe, das Caloris-Becken, misst rund 1.550 km im Durchmesser. Lange Steilhänge, manche über 1,5 km hoch, ziehen sich über die Ebenen. Fachleute vermuten, dass sie entstanden, als der Planet abkühlte und schrumpfte und seine Kruste dabei Falten warf wie die Schale eines eintrocknenden Apfels.
Das Innere des Merkur
Für seine Größe ist Merkur ungewöhnlich schwer. Sein eisenreicher Kern reicht bis etwa 85 Prozent des Planetenradius, sodass darüber nur ein dünner Gesteinsmantel und eine Kruste bleiben. Bei der Erde reicht der Kern nur etwa bis zur Hälfte.
Ein Teil dieses Kerns ist noch flüssig, und seine langsamen Strömungen erzeugen ein schwaches Magnetfeld, etwa 1 Prozent so stark wie das der Erde. Warum Merkur so viel Metall enthält, ist noch umstritten. Eine Vermutung lautet, dass ein gewaltiger Zusammenstoß in seiner Frühzeit einen Großteil des äußeren Gesteins abgetragen hat.
Ein seltsamer Kalender
Merkur dreht sich alle 58,6 Erdtage einmal um sich selbst und umrundet die Sonne alle 88 Tage. Beide Bewegungen sind im Verhältnis 3 zu 2 gekoppelt: drei Umdrehungen auf zwei Umläufe um die Sonne.
Daraus ergibt sich ein sehr langer Sonnentag. Von einem Sonnenaufgang zum nächsten vergehen etwa 176 Erdtage, ein einziger Merkur-„Tag“ dauert also zwei seiner Jahre. Seine Bahn ist zudem die am stärksten gestreckte aller Planeten und reicht von etwa 46 bis 70 Millionen km Abstand zur Sonne.
Merkurs Achse steht fast genau senkrecht, daher hat er keine richtigen Jahreszeiten. Tiefe Krater nahe seinen Polen sehen nie Sonnenlicht und bleiben kalt genug, um Eis zu halten.
Die Erforschung des Merkur
Merkur ist schwer zu erreichen. Eine Raumsonde, die auf die Sonne zufällt, wird so schnell, dass sie jahrelang Vorbeiflüge braucht, um genug abzubremsen und in eine Umlaufbahn einschwenken zu können.
Die NASA-Sonde Mariner 10 besuchte ihn als erste, flog 1974 und 1975 dreimal vorbei und fotografierte knapp die Hälfte der Oberfläche. Die NASA-Sonde MESSENGER flog dreimal vorbei und umkreiste Merkur dann von 2011 bis 2015. Sie kartierte den ganzen Planeten, fand starke Hinweise auf Wassereis in den Polkratern und wurde zum Abschluss ihrer Mission gezielt auf die Oberfläche gelenkt.
BepiColombo, eine gemeinsame Mission der ESA und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA, startete 2018. Stand Herbst 2026 ist der Eintritt in die Umlaufbahn für den 21. November 2026 geplant. Danach trennt sich die Sonde in zwei Orbiter, und die eigentliche wissenschaftliche Phase soll im April 2027 beginnen.
So findet man Merkur am Himmel
Merkur entfernt sich an unserem Himmel nie weit von der Sonne, daher sieht man ihn nur tief über dem Horizont in der Dämmerung. Halten Sie kurz nach Sonnenuntergang im Westen oder kurz vor Sonnenaufgang im Osten Ausschau.
Die besten Gelegenheiten bieten sich um die größte Elongation, also die Zeiten, in denen Merkur am weitesten von der Sonne entfernt erscheint, bis zu etwa 28 Grad. Jede davon dauert ein bis zwei Wochen, und sie treten mehrmals im Jahr auf. Ein flacher, freier Horizont hilft sehr, und der Planet wirkt wie ein heller, ruhig leuchtender, leicht rosafarbener Stern.
Im kleinen Teleskop zeigt Merkur Phasen wie ein winziger Mond, aber kaum Oberflächendetails. Richten Sie Fernglas oder Teleskop niemals in die Nähe der Sonne: Warten Sie, bis die Sonne ganz untergegangen oder noch nicht aufgegangen ist, denn schon ein kurzer Blick in das Sonnenlicht durch eine Optik kann das Auge dauerhaft schädigen.
Schon gewusst?
Hin und wieder zieht Merkur genau zwischen Erde und Sonne hindurch und erscheint als kleiner schwarzer Punkt, der über die Sonnenscheibe wandert. Das nennt man einen Transit oder Durchgang. Der nächste findet am 13. November 2032 statt und darf nur mit geeigneten Sonnenfiltern beobachtet werden.